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Fast in jedem meiner Leitartikel habe ich in wenigen Sätzen auf ein uns alle betreffendes Thema hingewiesen. Es ist mir so wichtig, dass ich heute im Besonderen darauf eingehen möchte. Ein Thema, dass bei sehr vielen Vorträgen und Gesprächen, immer wieder erwähnt, und oft heiß diskutiert wird. Es ist ein Gedanke, eine Idee, eine Lebenseinstellung. Ja ich würde sogar soweit gehen, zu meinen, dass wir Menschen es nur deshalb soweit gebracht haben, weil wir es seit Jahrhunderten, vielmehr seit Jahrtausenden zelebrieren und praktizieren. Die Rede ist von der Gemeinschaft. Dem gemeinsamen Tun und Handeln.
Wahrscheinlich war es den Menschen nur deshalb von Urzeiten an möglich zu überleben, weil sie zusammenhielten, und in der Gemeinschaft durch Kräftebündelung zu unglaublichen Leistungen und Innovationen fähig waren. Dieser uralte Überlebenstrieb scheint in uns zutiefst verankert zu sein.
Doch trügt der Schein??
Wir befinden uns ohne Übertreibung in einer absoluten Wohlstandsgesellschaft. Es hat noch nie eine Generation auf Erden gegeben, die soviel Luxus, soviel Wohlstand und Nahrungsmittel in Massen zur Verfügung hatte wie wir. Wir kaufen zum Großteil nur mehr Dinge, die wir eigentlich nicht benötigen. Wir lassen uns Tag für Tag von den großen Marketingstrategen verführen und uns einreden, was wir alles zum Leben brauchen, was „notwendig" ist, um sich in der Gesellschaft etablieren zu können. Bedauerlicherweise hat dieser Wohlstand, dieses Zeitalter, auch massive Auswirkungen auf unser Zusammenleben. Je mehr wir haben, besitzen oder erreichen, umso unzufriedener werden wir. Denn mit der materiellen Sättigung geht eine emotionale Leere einher. Normalerweise müssten wir jeden Tag glücklich, ja vor lauter Dank über unser Dasein in diesem paradiesischen Zeitalter zutiefst zufrieden sein! Doch das Gegenteil ist der Fall. Man braucht nur jeden Tag die Zeitungen aufschlagen, die Nachrichten sehen oder einfach nur dem Gesprächspartner zuhören, so stellt man unweigerlich fest - irgendetwas stimmt nicht! Das ist die eine Seite, die jeden Einzelnen auf seine ganz eigene Art und Weise trifft. Doch es gibt auch die andere Seite, die auf unser aller Zusammenleben massive Auswirkungen hat. Fragen wir uns doch: Wie wichtig ist uns die Gemeinschaft überhaupt noch? Wir hören überall, wie bedeutsam es ist, zusammenzuhalten. Ganze Organisationen, z.B.: der Maschinenring haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Gemeinschaft und die daraus resultierenden Vorteile zu fördern! Doch sind wir ehrlich und schauen uns die Realität an. Es sind nicht wenige Bauern die mir sagen, hätte ich nur genug Geld, ich würde jede Maschine, einfach alles, selber haben wollen. Nur weil ich muss, arbeite ich zusammen. Oder schauen wir uns den zunehmenden Egoismus in allen Bereichen unseres Lebens an. Jeder ist sich selbst der Nächste! Ich beobachte diese Entwicklung nunmehr seit mehreren Jahren und es bleibt kein Lebensbereich davon verschont. Ob in den Kommunen, in den Vereinen und Organisationen, selbst auf den Bauernhöfen wird das Zusammenleben von mehreren Generationen, als schier unlösbare Aufgabe empfunden. Der materielle Wohlstand lässt unseren Geist verarmen. Wir haben nichts aus der Vergangenheit gelernt. Ganz im Gegenteil. Hört man sich ein Gespräch von mehreren Personen an, so steht sehr oft Neid, Missgunst und das Negative im Vordergrund. Modern ausgedrückt: „Only bad news, are good news"! Natürlich werden jetzt viele sagen, nein ich bin anders! Ehrlich?! Ich hörte vor kurzem einen bemerkenswerten Vortrag des Steirischen Landtagsabgeordneten Ing. Josef Ober. Dieser berichtete von einer Studie, wonach 97% aller Befragten Männer angaben, sich nach der Arbeit mit ihren Kindern beschäftigen zu wollen und nicht fernzusehen. Bei der Frage, was machen sie am Abend nach der Arbeit den tatsächlich, gaben rund 95% der Befragten an, dass sie fernsehen! Tja, es ist doch ein großer Unterschied zwischen dem was wir Sagen und dem was wir Tun!!! Die Gefahren dieser Entwicklung sind meiner Meinung nach riesengroß. Es kann schneller gehen, als wir alle uns vorstellen können und unser nicht mehr wert geschätzter Wohlstand neigt sich dem Ende zu. Wir müssen das, was wir haben wieder schätzen lernen, allem einen Wert geben. Die Gemeinschaft ist unser wertvollstes Gut neben der Gesundheit. Doch in einer Zeit, in der mehr als jede zweite Ehe geschieden wird, wo bereits zwischen zwei Menschen oft unüberwindbare Hürden aufgebaut werden, wie soll man da noch zusammenhalten?
Von Gemeinschaft zu reden, zu hören oder zu lesen ist zuwenig, Gemeinschaft muss man leben, man muss sie erfahren! Gemeinschaft beginnt im Herzen und nicht im Kopf!
Freuen Sie sich mit ihrem Nachbarn, wenn er wieder eine Investition tätigen konnte, und seien Sie glücklich wenn Sie in einer wundervollen Landschaft in Österreich als Bauer arbeiten und wirtschaften können und dürfen! Geben Sie Ihrem Leben und Ihrer Arbeit wieder Wertschätzung, ganz besonders allen Ihren Mitmenschen!
Mein Euer Obmann
Hannes Royer

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