Relevante Trends für die Landwirtschaft Drucken E-Mail

Der Wandel in der Landwirtschaft in den letzten 50 Jahren war geprägt von einem Wissens- und Technologisierungsschub, von Spezialisierung und Intensivierung einerseits sowie Ökologisierung und Extensivierung andererseits, die Anhebung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards hat zu einem hohen Niveau in der Landwirtschaft geführt.  Die Gesellschaft, insbesondere die Konsumenten, haben von der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern mehrfach profitiert. Die Lebensmittelpreise vom Erzeuger - obwohl immer qualitativer angeboten - haben sich real kaum verändert, die Pflege der Kulturlandschaft sowie die Aufrechterhaltung der ländlichen Infrastrukturen wird mittlerweile als selbstverständlich angenommen. Hatte die Landwirtschaft im letzten halben Jahrhundert mit der Aufgabe von rund 250.000 Betrieben und einem Absinken der Agrarquote von über 30 % auf 5 % offensichtlich Reserven, um diesen Strukturwandel durchzumachen, so stehen wir in Österreich insbesondere im Berggebiet in vielen Regionen unmittelbar vor einem Kollaps der flächendeckenden Landwirtschaft und des ländliches Raumes.  Die „kritische Masse" an Höfen und fleißigen Bäuerinnen und Bauern reicht vieler Orts nicht mehr aus, um die mannigfachen Aufgaben zu bewältigen. Gesellschaftspolitisch wurde dies teilweise erkannt, mit den Aktivitäten für den ländlichen Raum auch reagiert, jedoch für eine funktionierende Regionalwirtschaft noch zu wenig vernetzt und konkretisiert.

Der große Umbruch steht noch vor uns

Nach 35-jähriger Überschusssituation (gesättigter Markt) treten wir plötzlich in einen Nachfragemarkt ein, der die Wertigkeit der „Urproduktion" wieder heben wird. Die weltweite Nachfrage nach Milch, Fleisch und Getreide steigt kräftig an, so dass auch unter Nutzung derzeit brach liegender Ressourcen dieser „Hunger" nach Nahrungsmittel und Energie kaum gestillt werden kann. Der Ausweg, noch mehr Regenwälder abzuholzen oder
abzufackeln, sollte endgültig der Vergangenheit angehören, oder wollen wir in der Klimaveränderung noch ein Schäuferl zulegen? Bleiben im heurigen Jahr die Ernten so niedrig wie im Jahr 2007, so droht auch den „Reichen" ein massives Versorgungsproblem. Dass die Preise hoch bleiben, dafür sorgen neben diesen Umständen auch die Spekulanten, die Nahrungsmittel bzw. Rohstoffe aufkaufen und mit kräftiger Rendite wieder „freigeben". Hier muss wohl europaweit rasch mit einer „neuartigen" Marktordnung reagiert werden - die Interventionslager werden zur Sicherung der Verfügbarkeit von Nahrungsmittel eine neue Funktion erhalten. Es kann nicht sein, dass es von wenigen „geltigen" Händen abhängt, ob der tägliche Tisch mit Essen gedeckt werden kann. Bereiten uns schon oft die Handelsketten hinsichtlich Preisdruck große Sorgen, so birgt diese Entwicklung noch größere Abhängigkeiten und Diktate in sich. Der Anstieg der Weltbevölkerung um jährlich 80 Millionen Menschen und vor allem die Anhebung des Lebensstandards vieler bisher weniger entwickelter Gesellschaften (China, Indien, Emirate usw.) wird in den nächsten 20 bis 25 Jahren die Nachfrage nach Nahrungsmittel und Rohstoffen verdoppeln. Dieser Nachfragemarkt wird auch langfristig die Preise der Agrarprodukte hochhalten, dies gilt auch für die Milchprodukte, wo derzeit der Weltmarktpreis über dem europäischen Niveau liegt. Als Konsequenz für die Grünland- und Viehbauern bedeutet dies, dass die Nährstoffe über die Kreislaufwirtschaft auf den Wiesen und Weiden noch effizienter angewandt werden, das heranwachsende Grundfutter noch inhaltsreicher über das züchterisch angepasste Tierpotenzial genutzt wird und die umwelt- sowie energierelevanten Fragen noch ernster genommen werden. Dem Grünland- und Viehbauer bieten sich große Chancen, es wird aber dadurch für ihn nicht leichter. Hohes Wissen um diese Zusammenhänge und die richtigen sowie mutigen Entscheidungen sind Voraussetzungen, um diesen Veränderungsprozess als Bauer zu überstehen. Wir starten mit unserer Landwirtschaft aus einer guten Position in eine Zukunft, die unsere
Produkte zu besseren Preisen nachfragt und auch wertschätzt.


 
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