Weltmarkt - Fluch oder Segen? Drucken E-Mail

Geschätzte Mitglieder!

(geschrieben im November 2007)

Als ich in unserer letzten Ausgabe auf den aktuellen Bericht der UN-Ernährungsorganisation FAO hinwies, in dem ja unsere Kühe als die „größten Umweltschweine der Welt“ bezeichnet wurden, hielt ich es nicht für möglich, dass es dieser Bericht in die österreichischen Tageszeitungen schaffen würde! Im Sommer dieses Jahres wurde ich eines Besseren belehrt. Auszüge aus diesem Bericht schafften es sogar in die Sonntagsausgabe einer renommierten Tageszeitung, und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch viele Konsumenten in unserem Land haben „Gott sei Dank“ bereits den Unterschied zwischen Produkten vom Weltmarkt und den heimischen Lebensmitteln erkannt. Aber genau dieser Weltmarkt ist es, der unser Tun und Handeln bestimmt. Die letzten Jahre waren von einem noch nie da gewesenen Strukturwandel geprägt. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte fielen gnadenlos in den Keller, und sehr viele unserer Berufskollegen warfen das Handtuch. Zu viele meiner Meinung nach, denn schon heute sieht man als aufmerksamer Beobachter die Auswirkungen in unserer Kulturlandschaft. Es gibt bereits viele Gebiete in Österreich, wo es nicht mehr selbstverständlich ist, dass Obstbäume ausgemäht, Raine gepflegt, und Steilflächen jenseits von 60 % bewirtschaftet werden. Es verwundert auch nicht, wenn man sich die Einkommensentwicklung auf den einzelnen Betrieben genauer ansieht, denn die Subventionen konnten diesen Verfall in keiner Weise kompensieren. Unser Geschäftsführer Dr. Karl Buchgraber hat jedoch schon vor mehreren Jahren darauf hingewiesen, dass ein Ende der Durststrecke in Sicht ist, und „heimische Lebensmittel“ gefragter denn je sein werden. Das Durchschreiten der Talsohle hat allem Anschein nach ein Ende, und viele Bauern, die auch in den Zeiten massivster Einschränkungen ihrem Herzen und ihrer Berufung weiter gefolgt sind, können wieder aufatmen. Die letzten Wochen und Monate waren geprägt durch eine sich ständig verbessernde Preissituation auf dem Milchmarkt. Durch die aktuelle Weltmarktlage konnte endlich eine Hebung des Milchauszahlungspreises erreicht werden. Bei aller Euphorie darf man jedoch nicht vergessen, dass neben dem gestiegenen Milchpreis auch die Produktionskosten angestiegen sind (Diesel, Getreide, etc.), und somit nur ein geringer Teil des höheren Preises tatsächlich in das Betriebseinkommen fließen kann.

Eine weitere positive Entwicklung ist auch im Bereich des Zuchtviehabsatzes zu erkennen. Die Ab- Hof- Verkäufe stiegen stark an und laut Zuchtverbänden kann bei den laufenden Versteigerungen der Bedarf an Zuchttieren bei weitem nicht gedeckt werden.

Doch gerade in der Milchviehhaltung bekommt man nun auch den Anstieg der Kraftfutterkosten enorm zu spüren. Viele Bauern verabsäumten es in den letzten Jahren, dem Grünland die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, denn das günstige Getreide konnte Defizite ja wieder ausgleichen. Mehr denn je wird uns auch in Zeiten steigender Preise vor Augen geführt, dass wir Bauern mehr als jede andere Berufsgruppe einem ständigen Kreislauf unterliegen. Wir Bauern sind untrennbar mit unserem Grund und Boden verbunden, auch wenn viele das in den letzten Jahren vielleicht aus betriebswirtschaftlichen Gründen vergessen haben.

Für die Zukunft wird es deshalb immer wichtiger, so kostengünstig wie möglich zu produzieren. Der erste Schritt dazu ist die Optimierung der Grundfutteraufnahme bei unseren Milchkühen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Grün – und Weideflächen ist deshalb unerlässlich. In weiterer Linie dürfen wir Bauern aber nicht wieder in alte Denkmuster zurückfallen und mit dem erwirtschafteten Geld unsere Maschinenparks hochrüsten, sondern ständig den Grundsatz der Betriebsoptimierung beachten. Denn hier liegt trotz aller Bemühungen nach wie vor noch ein erhebliches Einsparungspotenzial.

Ich bin der Letzte, der trotz allem Anlass zur Freude wieder auf die Bremse steigen will, doch eines ist mir Wichtig festzustellen:

Wir sollten aus der Vergangenheit lernen und uns in unserem Tun und Handeln jeden Augenblick bewusst sein, dass wir ständig dem Weltmarkt ausgeliefert sind. Fluch oder Segen? Diese Frage werden wir wohl so schnell nicht beantworten können, doch zeigt uns die Geschichte, dass die Bauernschaft in ihrer Gesamtheit vieles überstehen kann!

Meint Euer Obmann

Hannes Royer

 


 
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