Vom "Subventionsempfänger" wieder zum Produzenten Drucken E-Mail

(geschrieben im November 2007)

Die Zeichen stehen gut, dass die Landwirtschaft wieder gebraucht wird. Eine massive Dürre in „Osteuropa" und Australien/Neuseeland hat die hochgeschraubten Ertragserwartungen bis auf 1/3 reduziert. Länder die exportieren wollten, müssen große Mengen am Weltmarkt einkaufen. Dazu kommt, dass sich China, Indien, aber auch andere Regionen der Erde, am Weltmarkt mit Getreide, Milch und Fleisch eindecken. Die Nachfrage nach Rohstoffen für die Ethanol- und Biodieselerzeugung kommt in ihrer Anlaufphase bei derart hohem Preis kräftig unter Druck, sodass sich die Betreiber schwer tun, ihre Anlagen sinnvoll zu beschicken. Sie wollten die Märkte räumen und stehen jetzt selber vor leeren Silos. Ich habe vor sieben Jahren auf dieses Szenario hingewiesen und gehofft, dass es um 2015 eintritt, es ist früher geschehen und wir stehen heute vor einem Nachragemarkt mit wohlverdient höheren Preisen für die agrarische Produktion. Der vielgeschmähte globale Markt hat uns jetzt im Positiven erfasst, die steigende Nahrungsmittelnachfrage weltweit und der Energiemarkt lassen auch die Futtermittelpreise für den Veredler kräftig ansteigen. Das Karussell Landwirtschaft dreht sich noch schneller als bisher und es trifft auch die Grünland- und Viehbauern - positiv die lang ersehnten Milchpreise, negativ die steigenden Futtermittelpreise und die anziehenden Produktionskosten. Trotzdem herrscht eine Aufwindstimmung, weil die Arbeit des Bauern endlich wieder etwas wert wird. Sie wird zu höheren Preisen nachgefragt - es tut gut, auch wenn es nur ein Kräftespiel der Märkte ist; oder erkennen jetzt auch die Konsumenten, dass eine produktive und noch dazu ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft im eigenen Land von grundlegender und absichernder Bedeutung ist?
Die Landwirtschaft war in den letzten Jahren oft dem Vorwurf als Subventionsempfänger ausgesetzt, obwohl die vielen Leistungen für die Kulturlandschaft und im ländlichen Raum bei 30%igem Preisrückgang beim Eintritt in die EU nur eine knappe Abgeltung erfuhren. Bei steigenden Milchpreisen - in Jahren sollte der Rindfleischpreis auch noch anziehen - sollte trotzdem nicht vergessen werden, dass die vielen Bergbauern unter benachteiligten Bedingungen ihre multifunktionale Arbeitsleistung erbringen. Fällt die Milchkontingentierung, so darf mehr produziert werden, wohl aber unter ökologisch vertretbarem Ausmaß. Die Flächenknappheit bei steigenden Pachtpreisen wird der Schlüssel für den Tierbesatz und letzten Endes auch für die Milchleistung pro Betrieb sein. Das eigene Grundfutter aus den Wiesen, Weiden und Almen gewinnt bei diesen Kraftfutterpreisen an Bedeutung, es wird die Bestandesführung im Grünland, die sachgerechte Düngung, die qualitative Ernte und Konservierung, aber auch eine abgestimmte Rationsgestaltung im Bewusstsein steigen. In einigen Betrieben, die ihre Genetik doch für eine Kraftfutterration ausgerichtet haben, wird es wohl ein Umdenken geben müssen. Low Input-Systeme in den Berggebieten und angepasste, gehobene Gunstlagen sollten den Bauernfamilien und damit dem ländlichen Raum eine Chance und eine Zukunft geben.
„Wenn der agrarische Aufwind auch den Bauern trägt,
er braucht trotzdem die Anerkennung der Gesellschaft"

Dr. Karl Buchgraber

buchgraberkar


 
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