 (geschrieben im März 2007)
Mit ein wenig Wehmut schaue ich auf die letzten Wintertage zurück und muss erkennen, dass sich unser Jahreslauf immer noch schneller zu drehen beginnt. Ich gebe zu, natürlich freue auch ich mich schon wieder auf die Frühjahrsarbeiten auf unseren Wiesen und Feldern, jedoch sollte jede Jahreszeit genossen werden können. Durch den fast nicht vorhandenen Winter ist man kaum zur Ruhe gekommen, und so hat man das Gefühl mit der Geschwindigkeit der Zeit nicht mehr ganz zu Recht zu kommen. Auch wir Bauern unterliegen anscheinend dem Gesetz - Immer Höher, Schneller und Weiter!
Anders kann ich es mir nicht erklären, warum bereits in höher gelegenen Alpentälern Anfang März (!), wo die letzten Schneereste noch auf den Wiesen liegen, Festmist in großen Mengen auf die Grünflächen ausgebracht werden und niemand sich zurückhalten kann, wenn der Nachbar seinen Miststreuer aus der Scheune holt. Ein Bodenleben ist noch nicht vorhanden und so wird wertvoller Dünger vernichtet. Hier stelle ich immer wieder fest, dass die ÖAG noch einen langen Weg der Aufklärung und Information vor sich hat. Aber zurück zum Winter - genauer gesagt zur Wintertagung. Mit Freude konnte ich dieses Jahr wieder auf eine gefüllte Festhalle blicken, wo sich hunderte wissbegierige Landwirte befanden und meiner Meinung nach viel geistige Nahrung mit nach Hause nehmen konnten. Besonders positiv aufgefallen ist mir vor allem die relativ lange Anwesenheit unseres Landwirtschaftsministers Josef Pröll. Normalerweise kommen Spitzenpolitiker nur kurz um „gesehen" zu werden, was aber aufgrund der vollen Terminkalender meist nicht anders möglich ist. Dieses Mal war es jedoch anders. Viele Landwirte nutzten die Möglichkeit zur ausgiebigen Diskussion mit dem Minister und man bekam einen ziemlich klaren Überblick darüber, wie sich unsere neue Regierung den Weg für uns Bauern in den nächsten Jahren vorst ellt. Auffallend war, dass Minister Pröll deutliche Worte für das „Unternehmertum Landwirtschaft" fand. Er bekräftigte in seinen Aussagen, dass die Politik nur die nötigen Rahmenbedingungen vorgeben kann, jeder Landwirt aber für sich als Unternehmer gelten muss, und dementsprechend auch handeln sollte. Ideenreichtum und Kreativität ist in Zukunft mehr den je gefragt. Positive Beispiele gibt es bereits genug - um nur das Vulkanland zu erwähnen. Seit Jahren wird von den verschiedensten Organisationen und Vereinen der „Wir- Gedanke" gepredigt. (Zusammenarbeiten heißt die Devise!) Nur leider stelle ich fest, dass dies zum Großteil nur Lippenbekenntnisse bleiben. Insgeheim würden sehr viele doch wieder lieber Alles alleine besitzen und zu jeder Zeit völlig unabhängig vom Nachbarn etc. sein. Ich persönlich bin der Überzeugung: Gelingt es uns in den nächsten Jahren nicht, dieses Zusammenarbeiten fest in unseren Köpfen zu verankern, dann wird es unweigerlich viele Verlierer in der österreichischen Landwirtschaft geben. Das Gemeinsame muss nicht nur bei uns Bauern im Vordergrund stehen sondern ganze Regionen müssen sich einander verpflichtet fühlen.
Vor zwei Wochen fiel mir ein aktueller Bericht in die Hände, der mich sehr nachdenklich stimmte. Laut der UN-Ernährungsorganisation FAO sind nun unsere Kühe und Rinderherden die „größten Umweltschweine der Welt". Laut Bericht werden nur für die Rodung von Wäldern für Weide und Ackerland jährlich 2,4 Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in die Luft geblasen. Laut FAO Daten werden in Brasilien und Bolivien in den nächsten 3 Jahren drei Millionen Hektar Wald für Wiesen gerodet. Ein amerikanischer Wissenschaftspublizist namens Jeremy Rifkin rechnete vor, dass alleine in den achtziger Jahren „ für jeden in den USA verspeisten Hamburger" sechs Quadratmeter Urwald in Weidefläche umgewandelt wurden. Damit noch nicht genug. Der Bericht beschreibt weiters, dass durch den Wiederkäuereffekt bei unseren Kühen das klimaschädigende Gas Methan entweicht. Angeblich entfährt unseren Kühen alle 40 Sekunden ein Bäuerchen voll mit Methan. Dieses Gas heizt die Atmosphäre 20-mal so stark auf wie CO2. Laut diesem Bericht verursachen unsere Rinderherden 18% mehr an Treibhauseffekt wie der gesamte weltweite Autoverkehr. Anders ausgedrückt: Von den Rinderherden werden genauso viele Emissionen in die Atmosphäre geblasen wie die gesamte Industrie der USA verursacht.
Die Wissenschaftler lieferten im Bericht auch gleich Lösungsvorschläge wie man die „größten Umweltschweine der Welt" in den Griff bekommen könnte. Die Kühe sollten weniger Gras fressen, dafür mehr Kraftfutter (?) - somit würde eine Verringerung des Methanausstoßes erreicht werden. Am besten wäre es jedoch, dem Bericht zu folge, den Fleischkonsum - und somit auch die Rinderherden zu reduzieren, denn eine Kuh ist - so die Meinung der Experten- generell unwirtschaftlich. So verschlingen unsere Rinderherden weltweit 77 Millionen Tonnen Kraftfutter und liefern nur 58 Millionen Tonnen Fleisch. Laut Experten könnte das Getreide doch gleich direkt an den Menschen weitergeben werden. Viele von Euch werden nun genauso fassungslos sein, wie ich, als ich den Bericht zum ersten Mal gelesen habe. Mit einem Mal, wird einem dann aber schlagartig bewusst, wie wichtig eine starke Interessensvertretung und Lobby für unsere Grünlandbauern ist. Ich glaube in Österreich würde dieser Bericht verständnisloses Kopfschütteln verursachen, denn eines bin ich mir sicher. Die Kühe auf unseren Wiesen und Almen verursachen mit Sicherheit weniger Schadstoffe als Sojatransporte von Brasilien nach Österreich. Und übrigens schließe ich mich der Meinung des Präsidenten des Neuseeländischen Bauernverbandes an: Dieser FAO-Report wurde mit Sicherheit von einem engstirnigen und fleischfeindlichen Vegetarier geschrieben
meint auch Euer Obmann Hannes Royer

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