Diese positive Stimmung in der Landwirtschaft für eine Neuorientierung nutzen Drucken E-Mail

(geschrieben im März 2007)

Viele Jahre wussten wir nicht, was wir produzieren sollen und ob der Markt auch da ist. Die Grundstimmung war auch nach dem EU-Beitritt nicht wirklich gut. Dieses anfängliche Misstrauen und die Verunsicherung sind großteils weg, die Abneigung gegen Bürokratie und Kontrolle sind existent, jedoch akzeptiert. Die Chance, dass mit ÖPUL, AZ und Investitionsförderungen für den Betrieb aber auch für die Regionen Positives bewirkt werden kann, wird großteils von der Einzelperson erkannt, nicht jedoch als Gesamtprozess für die Weiterentwicklung verstanden. Die Absicherung bis 2013 mit dem „Grünen Pakt" und die Entwicklung auf dem Energiemarkt in Richtung „Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft" mit einem zugkräftigen und sympathischen Minister Pröll hat eine Positivstimmung in der Landwirtschaft - in der Forstwirtschaft durch die Windwürfe und dem neuerlichen Preisrückgang gebremst - und eine gewisse Hochkonjunktur, nicht zuletzt auch durch die Exporterfolge gerade in Osteuropa, ausgelöst.

Jedem wird plötzlich bewusst, dass durch die Nachfrage nach Ethanol oder Biodiesel aus der ackerbaulichen Produktion die Ressource „Boden" knapp wird. Obwohl momentan nur „Energie" zählt, wissen wir, dass die Nachfrage nach „Lebensmittel" enorm zunehmen wird. Beides zusammen wird alle Ressourcen bis hinein nach Russland völlig binden. Es wird zu einer Preisanhebung bei Ackerfrüchten, allerdings auch bei Kraftfutter kommen. Im Ackerbau wird die Entwicklung rascher zum Tragen kommen als im Grünland - Viehbereich. Die Grünland- und Viehbauern werden ihre Produktion - nachdem über Jahre auch die tierische Genetik dafür angepasst wurde, wieder stärker in das Grünland verlagern. Der Fleischpreis bei Schweinen und Geflügel wird zuerst steigen und danach muss auch das Rindfleisch und die Milch nachziehen.

Diese grob vorskizzierte Entwicklung wird rascher und mit stärkerer Auswirkung in der Land- und Forstwirtschaft hereinbrechen als wir es von den bisherigen Entwicklungen gewohnt waren. Es steht geschichtlich eine neue Epoche vor der Tür, in der der Boden, das Vieh und der Bauer eine bedeutende Rolle einnehmen werden.

Bezugnehmend auf die bevorstehende Entwicklung sollten wir auf folgende Faktoren achten:

  • Auch wenn der Strukturwandel in vollem Gange ist, sollte die Agrarquote nicht mehr abgesenkt werden - wir brauchen die Bäuerinnen und Bauern für einen intakten ländlichen Raum mit identischen Produkten und Urlaubsquartieren.
  • Auch wenn sich jetzt alles auf die Ressource Acker konzentriert, so wird auch das Grünland an Bedeutung gewinnen. Es sollte daher kein Grünland mehr zuwachsen!
  • Auch wenn in der Energiestartphase alles nach „Nawaros" schreit, Österreich sollte schon jetzt die Nahrungsmittelmärkte mit Qualitätsprodukten als oberste Priorität im Auge haben.
  • Die in der Praxis vollzogene Ökologisierung sollte flächendeckend und ehrlich weiterentwickelt werden, der Biolandbau hat gerade in Österreich - sowohl im Acker als auch im Grünland - gewaltige Chancen.

Bis 2013 haben wir einigermaßen vorgegebene und gesicherte Verhältnisse, mit der eine Planung für die Zukunft stattfinden kann. In dieser Zeit sollte das Potenzial für einen Veränderungsprozess am eigenen Betrieb aber auch in den Regionen erhöht werden. Die Grundeinstellung muss weg vom „Verharren" hin zur „Bewegung nach vorne" mit klarem Blick auf seine eigenen Stärken und jener seiner Nachbarn und der Region. Die Zukunft sollte wieder mehr einer gemeinsamen, innovativen Bewirtschaftung gehören. Die hohen Neuanmeldungen für Traktoren sind dafür noch keine geeignete Antwort. Nehmen wir die neue Herausforderung an, es ist eine Chance, wenn wir uns offensiv damit auseinandersetzen. Wenn nicht, werden wir wohl „Knechte der Energiewirtschaft". Damit dies nicht passiert, braucht es einer Neuorientierung und eines Veränderungsprozesses - beginnen wir heute damit!

Dr. Karl Buchgraber

buchgraberkar


 
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