Bis auf kleinräumige Trockenschäden zeigten die Wiesen, Weiden, Almen und auch das Feldfutter im heurigen Jahr gute bis sehr gute Erträge. Probleme machten die extremen Wetterlagen (Hochwasser, Hagel) und das regnerische Wetter bei der Ernte insbesondere beim ersten Aufwuchs. Waren die Erträge durchschnittlich bis sehr gut, so sind die eingelagerten Futterpartien bei Heu und Silage nicht immer von höchster Qualität. Es bleibt in der Vegetationszeit noch gut ein Monat für die restliche Nutzung und Grünlandbewirtschaftung. In diesem Artikel werden Tipps zur Herbstdüngung, zur Nachweide und für die Vorbereitungen des Grünlandes zur Einwinterung der Grasnarbe gegeben.
Herbstdüngung
Nach neuesten Studien am LFZ Raumberg-Gumpenstein hat die Vegetationszeit in den letzten 30 Jahren um etwa 9 Tage im Herbst zugenommen. Die Herbstzeit ist milder und niederschlagsärmer geworden. Pro 100 Höhenmeter sollte damit gerechnet werden, dass die Vegetation um etwa 4 Tage früher aufgrund von Frühfrösten oder einfach kühleren Bedingungen endet.
Die Herbstdüngung auf Grünland sollte nicht zu früh erfolgen, da sonst der Nachtrieb zu hoch aufwächst, sie sollte aber auch nicht zu spät erfolgen, damit die leichtlöslichen Nährstoffe, insbesondere der Ammoniumstickstoff, noch in der Pflanzenbiomasse aufgenommen werden. In jeder Höhenstufe sollten nach der Ausbringung noch 14 Tage für die Nährstoffaufnahme und für das Überwachsen insbesondere von Mist durch die Grasnarbe – Schutz bei der Schneeschmelze – Zeit bleiben. In einer Seehöhe von 600 – 700 m sollte die Düngerausbringung aus pflanzenbaulicher Sicht im Grünland mit 20. Oktober abgeschlossen sein – das bedeutet für eine Gunstlage mit 400 m Seehöhe Ende Oktober und eine Bergregion mit 1000 m Anfang Oktober. Die gesetzliche Letztausbringung im Herbst ist bei „Festmiste und Komposte“ mit 31. November, die für Gülle und Jauchen mit 15. November auf Gründecken insbesondere Grünland im Aktionsprogramm festgelegt.
Die Dünger sind pflanzenbaulich, nährstoffmäßig und ökologisch genutzt, wenn sie zeitgerecht in die wachsende Grasnarbe verabreicht werden. Kommen sie zu spät, ist zwar die Grube oder der Mistplatz leer, jedoch können die Pflanzen wenig in das Frühjahr mitnehmen. Die Gülle bzw. Jauche braucht bei der Herbstausbringung nicht mit Wasser verdünnt werden. Die Ausbringungsmenge sollte bei gleichmäßiger Verteilung 10 bis 15 m³/ha nicht übersteigen. Bei Stallmist liegt die Einsatzmenge auf Wiesen bei 20 t/ha und bei reifem Kompost oder fertigem Rottemist sollten 10 bis 15 t/ha auf Wiesen und Weiden nicht überschritten werden. Wird die heranwachsende Grasnarbe im Herbst noch beweidet, so muss hier eine Weideeinteilung getroffen werden, wo zuerst der Weidegang und dann die Düngung erfolgt. Jene Flächen, die heuer als letzte beweidet werden und dadurch für die Düngung zu spät sind, sollten im nächsten Jahr als erste beweidet und dann gedüngt werden. Mineralische Dünger (Phosphor-, Kali- oder Kalkdünger) sollten im Frühjahr, wenn nötig, ausgebracht werden.
Gülle, Mist, Kompost und Jauche sind unsere wertvollsten Dünger und werden kreislaufbezogen im Grünland wirkungsvoll eingesetzt. Im Herbst zu spät oder verbotener Weise sogar im Winter eingesetzte Dünger sind für die Pflanzen nahezu wirkungslos, ja sie sind für die Umwelt eine unnötige Gefahr.
Nachweide
Die vom Boden nachgelieferten Nährstoffe, wüchsige Wetterlagen und Tiere, die hungrig nach Weidefutter und Sonnenstrahlen in der freien Natur sind, veranlassen immer wieder mehr Landwirte, den letzten Aufwuchs im Jahr als Nachweide anzubieten. Bei guten Bedingungen sind die Futtererträge (zwischen 200 und 1500 kg Trockenmasse (TM)/ha und Futterqualitäten extrem interessant.
Rohproteinwerte von 150 bis 230 g/kg TM bei Energiewerten von 5,1 bis 6,4 MJ NEL/kg TM sind echte Leckerbissen für die Weidetiere. Oft ist vor allem bei nassem Wetter die Rohfaser mit 160 bis 200 g/kg TM etwas niedrig – da sollte grobes Heu zur Strukturierung der jungen Weideration angeboten werden.
Die Weidetiere sollten eher streng ohne zu große Selektionsmöglichkeiten bei der Futteraufnahme gehalten werden, damit die Weidereste gegen Null gehen. Bestenfalls sollte nach dem abgeschlossenen Weidegang kein Mulchen oder Schlägeln notwendig sein.
Bei arrondierter Lage der Wiesen und Weiden zum Hof sollten im Herbst die Tiere unbedingt – sofern es nicht zu nass ist – diese Nachweide bekommen.
Das wertvolle Futterangebot auf der Nachweide, die günstige energetische Nutzung (Low input-System) mit positivem Einfluss auf die Grasnarbebildung für das Frühjahr sowie das ästhetische und harmonische Kulturlandschaftsbild mit Tieren als „Auslage für den Konsumenten“ sollten neben den Weideprämien Anreiz sein, wieder mehr Weide zu betreiben – die Herbstweide bietet sich dazu an.
Wuchshöhe in den Winter
Die schönen Herbsttage lassen oft das Futter länger wachsen als ursprünglich geplant. Die Wuchshöhe übersteigt die gewünschten 7 cm – in dieser Höhe sollte das Futter in den Winter gehen. Bleibt es länger, so wird bei schneereichem Winter der Schneeschimmel die niedergedrückten Pflanzen „auffressen“. Nach der Schneeschmelze sind diese Pflanzen braun und abgestorben, vor allem die Raygräser sind hier massiv betroffen. Deswegen sollten die Pflanzenbestände bei 5 cm gemäht oder bei 3 m beweidet werden, um später noch auf 7 cm anzugrünen.
Dauerweiden (Kultur- und Hutweiden) sollten nach dem letzten Weidegang noch eine Weidepflege in Form einer Mulchung oder Schlägelung erhalten.
Feldfutter- und Wechselwiesenbestände aber auch Dauerwiesen, die keine Nachweide bekommen und im wüchsigen Herbst 10 bis 20 cm hochwachsen, sollten über eine späte Ballensilage geerntet oder zumindest niedergemulcht werden. Lässt man diese hochgewachsenen Bestände so in den Winter gehen, so sterben viele Pflanzen ab – der Bestand wird lückig – und das im Frühjahr heranwachsende Futter ist von diesen abgestorbenen Pflanzenteilen qualitativ beeinträchtigt.
Unkrautregulierung
Der Stumpfblättrige Ampfer wächst im Oktober noch ins Rosettenstadium heran, wo er sich chemisch speziell mit Harmony (weniger kälteempfindlich) gut bekämpfen lässt. Die Lücken der abgestorbenen Ampferpflanzen können im Frühjahr nachgesät werden. Die Sanierung von Wiesen mit Gemeiner Rispe sollte im Frühjahr oder Spätsommer erfolgen, der Herbst ist zu spät, da die eingesäten Arten bei der Keimung von den Frühfrösten zerstört werden können.
Fazit für den Praktiker
Eine Nachweide im Herbst bringt noch gute Futtermengen und Qualitäten. Mit dem Weidegang kann der Pflanzenbestand in der Grasnarbe auf kostengünstigte Art verbessert werden und auch die Pflanzenbestände mit der Nutzung in der richtigen Wuchshöhe in den Winter geschickt werden. Mit der ordnungsgemäßen und rechtzeitigen Düngeranwendung gelingt es, die Nährstoffe wirkungsvoll einzusetzen und damit leistungsstarke Pflanzenbestände in das Frühjahr zu bringen. Weidepflege und Unkrautregulierung können im Herbst noch gut durchgeführt werden. Ziel aller Maßnahmen ist es, dass im Frühjahr nach der Schneeschmelze eine gesunde, dichte und leistungsfähige Grasnarbe als Basis für den Futterertrag und die Futterqualität heranwächst.
|