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Wissenschaftlicher Name: Senecio cordatus (Senecio alpinus)
Deutscher Name: Alpen-Kreuzkraut, Alpen-Greiskraut, Herz-Greiskraut
Leitbild: Alpen-Kreuzkraut verbreitet sich auf feuchten, nährstoffreichen Böden und verdrängt dort wertvolle Futterpflanzen. Die Vergiftung wird hauptsächlich durch den Verzehr von Heu und Silage verursacht. Alle Pflanzenteile sind giftig!
Erkennung: Die unterschiedlichsten Vegetationsstadien sehen Sie in unserer Galerie - Alpenkreuzkraut
Ausdauernde, 30 bis 120 cm große Pflanze der Familie der Korbblütler (Asteraceae), die vereinzelt bis herdenweise auftritt. Die Blätter sind rundlich bis herzförmig, gezähnt, gestielt, oberseits dunkelgrün und kahl, unterseits graugrün und filzig (Bilder!). Sie riechen sehr unangenehm wenn zerrissen. Die gelben Röhren- und Zungenblüten sind in Köpfen gruppiert, welche als doldenartige Rispe angeordnet sind (Bild!).
Das Wurzelsystem setzt sich aus einem kurzen kräftigen Rhizom und zahlreichen langen Seitenwurzeln zusammen (Bild!). Mögliche Verwechslung: mit anderen Kreuzkraut- (ebenfalls giftig) oder Pippau-Arten (nicht giftig).
Vorkommen:
Das Alpen-Kreuzkraut kommt bei Höhen zwischen 400 und 2.100 m vor, ist jedoch in der montanen und in der subalpinen Stufe, auf Kalkgestein am häufigsten anzutreffen. Diese Art bevorzugt frische bis feuchte Böden mit hoher Nährstoffverfügbarkeit. Überdüngte Flächen, mit Gülle gedüngte Almen, Viehlagerstellen, Flächen in der Nähe von Almgebäuden, aber auch Hochstaudenfluren, Waldränder und Bachufer sind typische Situationen, in denen das Alpen-Kreuzkraut gefunden werden kann. Das Alpen-Kreuzkraut ist vorwiegend in Weiden anzutreffen, kann aber auch in stark gedüngten Fettwiesen vorkommen.
Ausbreitung:
Das Alpen-Kreuzkraut bildet dichte Pflanzennester, die sich bei fehlender Bekämpfung allmählich ausbreiten und große Flächen herdenweise besiedeln können (Bild!). Die Pflanzen werden von den Weidetieren vollständig gemieden und können sich daher ungestört vermehren und ausbreiten. Sie vermehren sich durch Samen (ein mittelgroßer Wurzelstock kann knapp 8.000 keimfähige Samen pro Jahr produzieren, nach Stebler in Hegi 1954 zitiert), aus einem Wurzelstock können jedoch zahlreiche Stängel austreiben (Bild!). Bei fehlender Bekämpfung verdoppelte sich in einem Feldversuch die Dichte der Triebe des Alpenkreuzkrautes innerhalb eines Jahres (Peratoner et al., unver. Ergebnisse).
Giftigkeit:
Das Alpen-Kreuzkraut ist die giftigste Art der Gattung Senecio und ist als absolutes Unkraut zu betrachten. Neun unterschiedliche Alkaloide (Pyrrolizidin) wurden als Wirkstoffe im Alpen-Kreuzkraut identifiziert; darunter ist Seneciphyllin vorwiegend (Lüthy et al. 1981). Diese Stoffe sind hepatotoxisch, d.h. sie führen zu starker irreversibler Leberschädigung (Pohlenz et al. 1980; Braun et al. 1999). Sowohl die akute als auch die chronische Vergiftung führen zu Beeinträchtigung der Tiergesundheit (Stegelmeier et al. 1999). Die Giftstoffe reichern sich nicht kumulativ in der Leber der Tiere an (Mattocks 1986), die Leberschäden sind jedoch kumulativ (Cheeke 1988), so dass auch die Aufnahme geringer Mengen über eine längere Zeit zur Verendung der Tiere führt. Dazu sind Pyrrolizidine krebserregend (IARC 1976, zit. in Lüthy et al. 1981). Alle Pflanzenteile sind giftig. Untersuchungen an anderen Kreuzkrautarten zeigten, dass die höchsten Konzentrationen an Alkaloiden sich in den Blüten ereignen (Berendonk et al. 2010), dass die jungen Pflanzen am giftigsten sind (CliniTox 2010) und dass der Gehalt an Giftstoffe vom Jahr zu Jahr und in Abhängigkeit des Standortes stark variiert (Johnson et al. 1985). Alle Tierarten sind gegen diese Giftstoffe empfindlich, aber eine bessere Widerstandsfähigkeit von Schafen und Ziegen im Vergleich zu Rindern und Pferden wird für andere Kreuzkrautarten in der Literatur erwähnt (Cheeke et al. 1985; Cheeke 1988; Stegelmeier et al. 1999). Die Symptome einer Vergiftung sind Magen- und Darmstörungen (Durchfall), Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit, herabgesetzte Reflexe, Gehstörungen, Speichelfluss, Krämpfe, Haarausfall, Rückgang der Milchleistung, Verwerfen, Leberschädigung und Tod (Braun et al. 1999; Gerhold 2000; Gerhold 2002; Dietl, Jorquera 2003). Die Wirkstoffe werden durch Heubereitung nicht abgebaut und sind auch in der Silage vorhanden, wobei bei der Silierung eine etwa 5- bis zu 20-fache Reduzierung beobachtet wurde (Lüthy et al. 1981; Candrian et al. 1984; Gerhold 2002; Gerhold 2010). Der Ertragsanteil des Alpenkreuzkrautes und die Abbaurate der Giftstoffe weisen eine positive Korrelation auf: je geringer der Kreuzkrautanteil im Futter, desto niedriger ist die Abbaurate (Lüthy et al. 1981). Bei einem Ertragsanteil an Alpen-Kreuzkraut von etwa 0,5% wurden im Heu 10 bis 20 mg/kg Pyrrolizidin gemessen (Gerhold 2002). Die Aufnahme von etwa 100 bis 200 g/Rind/Tag rief binnen weniger Wochen Leberschädigungen hervor (Gerhold 2000; Gerhold 2002). In einem Tierversuch zur chronischen Vergiftung von Rindern wurde eine Aufnahme an Jakobskreuzkraut von etwa 35 g Trockensubstanz pro Tag über eine Zeit von etwa 8 Monaten (kumulierte Aufnahme von 3,6% des anfänglichen Körpergewichtes der Versuchstiere über die gesamte Untersuchungszeit) als letale Dosis festgestellt (Cheeke et al. 1985).
Die Alkaloide werden zu einem geringen Anteil auch in der Milch der vergifteten Tiere wiedergefunden (Cheeke 1988; Stegelmeier et al. 1999).
Vorbeugung:
Die Erhaltung einer gut geschlossenen Grasnarbe verhindert die Keimung und die Etablierung des Unkrauts. Eine Überdüngung des Pflanzenbestandes sollte vermieden werden.
Mechanische und biologische Bekämpfung:
Aufgrund der Form des Wurzelsystems ist das Ausstechen extrem mühsam und ist nur beim Vorkommen vereinzelter Unkräuter durchführbar. Das Abmähen der Bestände ist in Weiden empfehlenswert, um die Blüte und das Aussamen der vorhandenen Pflanzen zu verhindern. Die Abfuhr des Mäh- bzw. Mulchgutes wird empfohlen, weil die Weidetiere die abgetrockneten Pflanzenteile von Alpenkreuzkraut unweigerlich fressen. Die Weidepflege (Nachmahd) ist wichtig, um dem Effekt der Selektiven Beweidung auf Wachstum und Ausbreitung des Alpen-Kreuzkrautes entgegenzuwirken (Ettl et al. 2005). Diese Maßnahmen sind geeignet, um die Eroberung weiterer Fläche zu verhindern, können aber laut Praxiserfahrungen die Unkrautdichte kurzfristig nicht entscheidend beeinflussen. Das Mulchen der befallenen Flächen mit einem tief eingestellten Schlegelmulcher, auch in Kombination mit einer Übersaat, reduzierte in einem Feldversuch die Unkrautdichte des Unkrauts um 26% und 20% im ersten bzw. in zweitem Jahr nach dem Mulchen, der Deckungsgrad des Unkrauts in den behandelten Parzellen unterschied sich jedoch schon im zweiten Jahr nicht mehr von demjenigen der Kontrollfläche (Peratoner et al., unver. Ergebnisse). Eine zusätzliche Übersaat brachte keine weiteren Vorteile im Vergleich zum einfachen Mulchen. Die biologische Bekämpfung des Alpenkreuzkrauts mittels Infektion mit dem Rostpilz Puccinia expansa war in einem Versuch in der Lage, das Pflanzenwachstum zu beeinträchtigen, hatte allerdings keine Wirkung auf die Pflanzendichte des Unkrautes (Alber 1986).
Chemische Unkrautbekämpfung:
Im Allgemeinen ist die Wirkung bei einer Frühjahrsbehandlung höher als bei einer Herbstbehandlung, obwohl die Letzte den Vorteil der Nutzung der Weide während des laufenden Jahres mit sich bringt. Die Behandlung wird im Rosettenstadium empfohlen. Mehrere Wirkstoffe werden zur Bekämpfung von Kreuzkrautarten empfohlen (Tabelle 1). Feldversuche in Südtirol (Peratoner et al., unver. Ergebnisse) zeigten bei einer Frühjahrsapplikation eine nahezu vollständige Wirkung von Aminopyralid + Fluroxypyr (Simplex), eine zufrieden stellende Wirkung über 80% von Glyphosate (10%ige Lösung) und Metsulfuron-Methyl (Gaio) und bei knapp 70% von Dicamba + Mecoprop (Turfene L) und kaum eine Wirkung (ca. 25%) von Thifensulfuron-Methyl (Harmony). Die Herbstapplikation zeigte allgemein eine deutlich schwächere Wirkung, besonders was Metsulfuron-Methyl anbelangt. Dabei fehlten oft im nachfolgenden Frühjahr die oberirdischen Pflanzenteile fast vollständig, die Wurzelstöcke waren jedoch noch lebendig und die Pflanzen konnten sich später im Laufe der Vegetationsperiode erholen (Bild!). Die Einzelpflanzenbekämpfung mit Rückenspritze und Glyphosate hinterließ deutliche Lücken in der Pflanzendecke, die als Ansatzstellen für eine weitere Verunkrautung des Bestandes darstellen (Bild!). Bei Verwendung dieses Totalherbizides ist daher eine Nachsaat der behandelten Stellen ratsam.
Die unterschiedlichsten Vegetationsstadien sehen Sie in unserer Galerie - Alpenkreuzkraut
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Wirkstoff
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Informationsquelle
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Stutz et al. 2008*
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Gerhold 2002
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Ettl et al. 2005*
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Peratoner et al. 2011
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Wirkung bei Frühjahrsapplikation
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Wirkung bei Herbstapplikation
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Schonung von Kräutern und Leguminosen
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MCPP + Dicamba
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X
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X
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MCPA + Dicamba
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X
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MCPA
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X
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2,4-D
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X
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2,4-D + MCPP
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X
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Mecoprop-P
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X
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Metsulfuron-Methyl
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X
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++ a
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- a
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-
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Glyphosate
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X
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++ a
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+ a
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--
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Aminopyralid + Fluroxypyr
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+++
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++
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--
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Dicamba + Mecoprop
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+ a
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- a
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Thifensulfuron-Methyl
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* Allgemeiner Hinweis für Kreuzkrautarten
Wirkung: +++ über 95%, ++ 80% bis 95%, + 50% bis 80%, - unter 50%
Schonung von Kräutern und Leguminosen: - mittel, -- schlecht
a Mittelfristiges Nachtreiben zahlreicher Stängel aus Wurzelstöcken
Literaturverzeichnis
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